Fahnenschwenken und Großmachtstreben

Alle (EM-) Jahre wieder kommt die Diskussion auf, ob das Schwenken der Deutschlandfahne ein Vorbote eines neuen, bösartigen, deutschen Großmachtstrebens sind, diesmal im Kommentarstrang der ‚Zeit Online‘. Ein Kommentar hat mich dann zu einer Replik gereizt:

Eventuell weil ein „unverkrampftes“ Verhältnis zur deutschen Flagge u.a. industriellen Massenmord verursacht hat?

Ich antwortete:

„Falsch. Der ins Extrem übersteigerte deutsche Nationalismus nach dem 1. Weltkrieg war eben NICHT Folge eines „unverkrampften“, sondern ganz im Gegenteil, eines völlig verkrampften Verhältnisses zu sich selbst!

Eine Analogie verdeutlicht das: Selbstbewusste Menschen haben eine gefestigte Identität, sie wissen wer sie sind und wohin sie wollen, sie können andere Meinungen und Identitäten akzeptieren und zugeben, wenn sie etwas falsch gemacht haben – kurz. Sie sind „unverkrampft“ und müssen niemanden etwas beweisen.

Unsichere Menschen jedoch schieben die Schuld auf Andere, fühlen sich durch Meinungen bedroht, sehen überall Statuskämpfe, wollen andere dominieren, um selbst größer und wichtiger zu erscheinen… sie haben eine völlig verkrampfte Identität. Deutschland 1918-1945 war so eine „verkrampfte“, unsichere Nation.

Das Deutschland von 2016 hat sich seine Vergangenheit eingestanden und mit seinen Nachbarn angefreundet. Die Menschen, die heute auf Fanmeilen die Fahne schwenken, fahren morgen zum Erasmusstudium nach Polen und trinken ein Bier mit Spaniern, Niederländern und Bulgaren.

Die Einzigen, die noch ein verkrampftes Verhältnis haben, sind die ewiggestrigen Antifaschisten, die uns eintrichtern wollen, dass „Identität“ etwas Schlechtes sei und damit das jämmerliche, defensive Geheul der AFD selbst produzierten.

Mir sind die unverkrampften, offenen Partydeutschen lieber.“

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2 Gedanken zu “Fahnenschwenken und Großmachtstreben

  1. Ich finde zwar das von dir beantwortete Kommentar ziemlich dumm und auch deine Antwort dazu ist absolut richtig aber ich halte trotzdem nichts vom ganzen Fahnenschwenken. Für mich hat das nicht mal so viel mit der deutschen Geschichte zu tun sondern zum einen wird mir „fußball“ hier ein bisschen zu sehr gehyped und zum anderen bin ich der Meinung das diese Art von Zugehörigkeit zeigen Menschen in Kategorien teilt. Es heißt zwar noch nicht gut und schlecht aber von „anders“ ist es kein allzuweiter weg mehr zu besser und schlechter

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    • Dein Einwand ist absolut berechtigt. Sobald man eine Gruppe gründet, schließt man andere aus. Und die eigene Gruppe ist dann natürlich auch besser als die anderen, sonst wäre man ja nicht dabei ;D

      Die Sache ist doch, dass sich die meisten Menschen ganz automatisch in Gruppen sammeln, zb. „Stadt- und Landkinder“. Und jede Gruppe kann andere aggressiv ausschließen oder aber ‚Andersartigkeit‘ akzeptieren.

      Das hat zunächst wenig damit zu tun, ob es sich bei der Gruppe um eine Nation oder eine Großfamilie handelt.

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