„Dass jedermann lesen lernen darf, verdirbt auf Dauer nicht allein das Schreiben, sondern auch das Denken.“

Friedrich Nietzsche, Philosoph 1844-1900

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Der Sinn von Gedichtinterpretation

Aus der Reihe „Thorsten, der alte Besserwisser, belehrt dumme Facebook-User“. Heute: der Sinn von Schule. Denn User Michael Molli beschwerte sich auf Facebook darüber, dass die Schule nur unsinniges Zeug beibringe (sinngemäß):

„Stellt eigentlich jemals irgendjemand die Frage, ob der Unterrichtsstoff im Leben irgendeine Relevanz hat? Von all dem Scheiß der mir im Unterricht all die Jahre aufgezwungen wurde, brauche ich so gut wir garnichts. Ich besorge mir das Wissen was ich brauche und was mich interessiert selber, nachdem ich die Massenvergewaltigungsinstitution Schule verlassen durfte.“

Der User rezitiert hier nur dummes und unreflektiertes Blabla, was jeder von uns so wahrscheinlich mal gesagt und tausendmal gehört hat. Aber statt immer wieder den selben Vorwurf wiederzukäuen, sollte man vielleicht mal darüber nachdenken, ob es hinter dem eigentlich Gelerntem, etwa Kurvendiskussion oder Gedichtanalyse, noch eine weitere Ebene gibt.

Denn meiner Meinung nach waren die wenigsten Dinge, die man gelernt hat, reiner Selbstzweck, sondern dienten dem Erwerb von grundsätzlichen Fähigkeiten, die jeder von uns tagtäglich anwendet. Als Beispiel habe ich eben die viel geschmähte Gedichtanalyse gewählt:

Ja, die wenigsten Sachen die man in der Schule lernt, braucht man später 1:1 im Leben.Es ist aber falsch (und dumm) dem Gelernten den generellen Sinn abzusprechen.

Erlernte Lösungswege können auch abstrahiert und auf andere Probleme übertragen werden – Stichwort Lerntransfer. Man kann sich natürlich darüber lächerlich machen, dass man nie wieder ein Gedicht interpretieren muss. Aber die Fähigkeit, Texte zu analysieren, damit den tieferen Sinn zu verstehen und das alles in eine logische Argumentation zu packen braucht man jeden Tag, selbst wenn man nur auf Facebook schreibt und liest.