Militärtechnik im Museum – Forschungsskizze Masterarbeit

Fragestellung

Seit den 1980er Jahren gab es in Deutschland einen Museumsboom, der zu einer Ausweitung und Professionalisierung des Museumswesens sowie der Museumsforschung führte. Von dieser Entwicklung profitierten auch Technik-, Geschichts- und Militärmuseen; Gelder flossen, Neubauten entstanden, gleichzeitig veränderten sich aber auch Anforderung und Zielgruppen. Äquivalent zu diesem Prozess entwickelte sich auch das neue Forschungsfeld der Museumsanalyse. Die analytische Betrachtung von Museumsausstellungen verspricht, gesellschaftliche Verhältnisse wie mit einer Lupe betrachten zu können. In Ausstellungen manifestiert sich der Zeitgeist und ist aufgrund der notwendigen Simplifizierung leicht ablesbar.

Der deutschen Geschichte entsprechend, zog gerade die Frage nach dem gesellschaftlichen Umgang mit dem Thema ‚Krieg‘ und die Veränderungsprozesse das Interesse auf sich. Teil dieser Frage ist auch, welche Rolle militärtechnische Objekte in den Ausstellungen einnehmen. Für die Zeit bis zum Jahr 1999 kam Eva Zwach in ihrer Dissertation zu dem Schluss, dass die militärtechnische Objekte den Kern der Ausstellungen bilde.1 Elf Jahre später wiederum konstatiert Thomas Thiemeyer, dass Militärtechnik zumindest in historischen Museen an Bedeutung verloren hat, Denn die reine Ansammlung und das Abstellen von Großgerät in Lagerhallen wurde als museumsdidaktisch veraltet angesehen, sodass sich die Ausstellungsgestaltung etwa im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden weg von der reinen Objekt- hin zu einer Konzeptausstellung veränderte. Einzig Technikmuseen würden noch eine Sonderrolle einnehmen.2

Gleichzeitig scheint es aber dennoch ein gesellschaftliches Interesse an (militärischen) Technikschauen zu geben – das Panzermuseum Munster verzeichnete im Jahr 2013 über 100.000 Besucher und im Deutschen Technikmuseum Berlin wurde 2005 eine neue Dauerausstellung zur Luft- und Raumfahrt eröffnet, welche eine Vielzahl militärischer Flugzeuge als Exponate beherbergt, die teilweise mit viel Geldaufwand geborgen und restauriert wurden. Diese Diskrepanz zwischen Marginalisierung auf der einen sowie Relevanz auf der anderen Seite wirft die Frage auf, warum sich in Technikmuseen bis dato ein ‚Reservat für Militärtechnik‘ bewahren konnte.

Daher möchte diese Arbeit am Fallbeispiel des Deutschen Technikmuseums untersuchen, welche Bedeutungen und Funktionen militärische Großgeräte im Museum einnehmen. Von besonderem Interesse ist hier die Dreiecksbeziehung zwischen Mensch – Technik – Krieg: In welche Narrative werden die Dinge eingebunden, welche Bedeutungen werden konstruiert, was wird gezeigt und warum?

Methodik

Untersucht werden die beiden Dauerausstellungen zur Geschichte der Schifffahrt sowie die Luft- und Raumfahrt im Deutschen Technikmuseum Berlin, wobei die Ergebnisse auch punktuell mit anderen Ausstellungen kontrastiert werden sollen, ohne das diese Ausstellungen ähnlich systematisch untersucht werden. Der Ausarbeitung einer theoretischen Basis zur Funktion von Dingen kommt dabei besonderes Gewicht zu. Denn obwohl sich die Museumsanalyse als Forschungsfeld einer wachsenden Beliebtheit erfreut, ist die Theorie und Methodik aufgrund des interdisziplinären Charakters bisher noch sehr diffus.3 Dies hat zur Folge, dass bisherige Untersuchungen von Ausstellungen eher Deskriptionen des Ist-Zustandes einer Ausstellung und der Empfindungen des Wissenschaftlers als tatsächliche (mögliche) Lösungen eines übergeordneten wissenschaftlichen Problems sind.4

Die Arbeit soll also auf drei Säulen ruhen. Zum einen muss eine theoretische und methodische Basis des aktuellen Forschungsstandes der Museumsanalyse und der Ding-Theorien erarbeitet werden. Darauf folgt eine museumsanalytische Untersuchung der erwähnten Ausstellungen im Deutschen Technikmuseum Berlin, um herauszufinden, welche militärtechnischen Objekte, wie und warum ausgestellt werden. Hat Militärtechnik einen inhärenten kulturgeschichtlichen Wert oder bedient die Darstellung nur die niederen Gelüste nach Unterhaltung, eine These, welche Eva Zwach vertritt? „Hier reduziert sich der Krieg auf seinen Unterhaltungswert und seine naturwissenschaftlichen Komponenten, indem technische Daten von Waffen miteinander verglichen werden […] Auf diese Weise sind die Waffen für eine hemmungslose Technikfaszination entblößt“5

Die Ergebnisse der Analyse werden dann zuletzt in den Kontext der Geschichte des Deutschen Technikmuseums eingebunden. Welche Kontinuitäten und Unterschiede der Darstellung lassen sich feststellen? Interessant ist hier auch die angesprochene Kontrastierung mit anderen Ausstellungen um herauszufinden, worin sich die Darstellungart und Ziele in Technikmuseen von historischen Museen unterscheidet.

Eva Zwach, Deutsche und Englische Militärmuseen im 20. Jahrhundert. Eine kulturgeschichtliche Analyse des gesellschaftlichen Umgangs mit Krieg, Münster 1999, S. 307
Thomas Thiemeyer, Waffen und Weltkriege im Museum. Wie sich die museale Darstellung der beiden Weltkriege und der Umgang mit Militaria gewandelt haben, in: Militärgeschichtliche Zeitschrift, Bd. 69 (2010), S. 1–16, hier S. 12–13
Joachim Baur, Museumsanalyse. Zur Einführung, in: ders., Museumsanalyse. Methoden und Konturen eines neuen Forschungsfeldes, Bielefeld, S. 7–14, hier S. 7
Dies wäre etwa mein Kritikpunkt an die Arbeit von Susanne Claußen:Susanne Claußen, Anschauungssache Religion. Zur musealen Repräsentation religiöser Artefakte, Bielefeld 2009
Zwach, Deutsche und Englische Militärmuseen im 20. Jahrhundert, S. 308

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