Plötzlich Brüder? Bayerische und preußische Soldaten im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71

Ein Abstract der Modularbeit „Plötzlich Brüder? Die Wahrnehmung des preußischen Verbündeten in den Kriegserinnerungen bayerischer Soldaten des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 im Kontext von Nationalismus und Partikularismus“ von Thorsten Peger, 2017

Das PDF der Modularbeit kann man hier downloaden:

Bayern und Preußen_gesichert

Bayerischer_Infanterist_Max_Lehner

Gemälde von Louis Braun (1836-1916) um das Jahr 1870. Es zeigt den bayerischen Infanteristen Max Lehner, Krankenträger der Sanitätskompanie, aus zwei Perspektiven. Standort: Bayerisches Armeemuseum, Ingolstadt, gemeinfrei/Public Domain

Ruhmreiche Schlachten gegen den ewigen Erbfeind Frankreich vollendeten das, wonach alle Deutschen seit Jahrzehnten strebten – endlich wurde der deutsche Nationalstaat gegründet. Das ist das gemeinhin überlieferte Bild des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71.

Und dabei töteten sich Süddeutsche und Preußen im Deutsch-Deutschen Krieg von 1866 gegenseitig und kochten im Königreich Bayern in Folge der Niederlage und der drohenden „Verpreußung“ antipreußische Ressentiments hoch. Die antipreußische Patriotenpartei wurde aus dem Stand bei den Wahlen zum deutschen Zollparlament und bayerischen Landtagswahlen stärkste Kraft und widersetzte sich der Gründung eines Nationalstaates unter preußischer Führung. Aber kaum vier Jahre später, nach der Kriegserklärung durch Frankreich waren alle antipreußischen Gefühle plötzlich vergessen?

Um dieses Paradox aufzulösen, hat diese Arbeit untersucht, wie bayerische Soldaten ihre preußischen Kameraden während des Krieges von 1870/71 wahrgenommen haben. Als Quelle dienten Kriegserinnerungen bayerischer Soldaten, die zwischen 1871 und 1914 publiziert wurden. Deutlich wurde dabei, dass es vor allem Vorurteile gegenüber preußischen Offizieren gab, aber ansonsten die Begegnungen konfliktarm und sogar euphorisch abliefen. Gleichzeitig wurde aber auch die Quellengattung an sich betrachtet und man muss davor warnen, das Geschriebene völlig unkritisch als Wahrheit zu übernehmen. Die Kriegserinnerungen sind eine dezidiert nationalistische Quelle, so dass wohl nur diejenigen publiziert haben, welche sich rückhaltlos mit der Reichseinigung identifizierten. Dies verfälscht jedoch unser Bild, da die preußenkritischen Stimmen nicht zu Wort kamen.

 

 

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